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Krafttraining für Läufer – Der umfassende Leitfaden

In diesem detaillierten Leitfaden von RunnerLab erhältst du die Wissenschaft hinter effektivem Krafttraining sowie konkrete Programme für Fitnesscenter und Heimtraining.

Dieser Leitfaden wurde von RunnerLab erstellt. RunnerLab sind Spezialisten für evidenzbasiertes Training und arbeiten daran, die Leistung der Läufer durch neueste Forschung und physiologisches Wissen zu optimieren.

 

Krafttraining für Läufer: Bessere Laufeffizienz und weniger Verletzungen


Du kennst wahrscheinlich das Gefühl: Die Beine werden schwer in den letzten Kilometern, die Hüfte sinkt etwas ab, und der Körper hält nicht ganz die Form. Hier macht Krafttraining den Unterschied. Aber nicht irgendein Krafttraining. Entscheidend ist nicht, ob du mit Langhantel oder deinem Körpergewicht trainierst – entscheidend ist, dass du hart genug trainierst, damit die letzten Wiederholungen dich wirklich fordern.


In diesem Leitfaden erhältst du das Wichtigste über Krafttraining für Läufer: Warum es funktioniert, wie du anfängst und wie du es in dein Lauftraining integrierst.

 


Warum sollten Läufer Krafttraining machen?

 

Die Forschung zeigt drei klare Vorteile:


1. Bessere Laufeffizienz

Laufeffizienz bezieht sich darauf, wie effektiv dein Körper Energie bei einer bestimmten Geschwindigkeit nutzt. Je besser die Laufeffizienz, desto weniger Anstrengung erfordert es, das gleiche Tempo zu halten. Systematische Reviews zeigen, dass Krafttraining die Laufeffizienz bei Läufern um 2-8% verbessert. Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber in der Praxis kann es mehrere Minuten bei einem Halbmarathon ausmachen.


2. Weniger Verletzungen

Eine große Meta-Analyse mit über 26.000 Sportlern zeigte, dass Krafttraining das Verletzungsrisiko auf weniger als ein Drittel reduzierte. Überlastungsverletzungen – die Art, von der Läufer am häufigsten betroffen sind – konnten fast halbiert werden. Das macht Sinn: Krafttraining baut nicht nur Muskeln auf. Es stärkt auch Sehnen, Bänder und Knochen – Gewebe, das sich allmählich an Belastung anpasst.

Für Läufer ist es besonders relevant für typische Problemzonen wie die Achillessehne, Kniebänder und Hüftmuskulatur. Diese Strukturen sind bei jedem Laufschritt enormen Kräften ausgesetzt – bis zu 2-3 Mal deinem Körpergewicht. Krafttraining macht sie besser gerüstet, um die wiederholte Belastung zu bewältigen.


3. Schnellere Zeiten

Mehrere Studien zeigen verbesserte Zeiten auf Distanzen von 1.500 Metern bis 10 km nach Krafttraining. Es geht nicht um größere Muskeln, sondern um bessere Kraftübertragung auf den Untergrund.


Was ist mit der Angst vor schweren Beinen?

Viele Läufer fürchten, durch Krafttraining schwer und langsam zu werden. Aber die Forschung widerlegt diese Sorge.


Wenn du Krafttraining mit Laufen kombinierst, baut der Körper hauptsächlich neuronale Stärke auf – also die Fähigkeit des Nervensystems, die Muskeln zu aktivieren – nicht Muskelvolumen. Läufer, die Krafttraining hinzufügen, nehmen nicht an Gewicht zu, sondern laufen schneller und effizienter.

 

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    Beginne mit Krafttraining


    Das wichtigste Prinzip: Trainiere nahe an der Erschöpfung

    Viele denken, dass Krafttraining nur mit schweren Gewichten im Fitnesscenter wirkt. Aber die Forschung zeigt etwas anderes: Entscheidend ist nicht, wie schwer du hebst – entscheidend ist, wie nah an der Erschöpfung du trainierst.

    Das bedeutet, dass du gute Ergebnisse sowohl mit Langhantel als auch mit deinem Körpergewicht erzielen kannst – solange die letzten Wiederholungen wirklich hart sind.


    So misst du es:

    Stell dir vor, du machst eine Übung und hörst auf. Wie viele Wiederholungen hättest du noch mit guter Technik machen können? Diese Zahl wird als RIR (Reps In Reserve – Wiederholungen in Reserve) bezeichnet.

    RIR Wie es sich anfühlt Effekt
    0-1 Konnte fast keine mehr machen Sehr effektiv
    2-3 Hart, aber ein paar übrig Effektiv (empfohlen)
    5+ Konnte leicht viele mehr machen Begrenzter Effekt

     

    In der Praxis bedeutet das:

    • Wähle eine Übung (oder ein Gewicht), das schwer genug ist, dass du nach relativ wenigen Wiederholungen mit guter Technik ermüdest
    • Stoppe, wenn du noch 2-3 Wiederholungen im Tank hast – du solltest dich nicht völlig erschöpfen
    • Wenn du locker 10 mehr machen könntest, ist die Übung zu leicht: Wähle eine schwierigere Variante oder füge Gewicht hinzu


    Was ist mit Core und Planken?

    Viele Laufprogramme konzentrieren sich stark auf die Planke. Aber die Planke ist statisch, während Laufen dynamisch ist – dein Core muss während der Bewegung stabilisieren, nicht im Stillstand. Die gute Nachricht: Die großen Beinübungen (Kniebeugen, Kreuzheben, Ausfallschritte) trainieren auch deinen Core erheblich. Wenn du eine schwere Langhantel auf dem Rücken hältst, arbeitet die Core-Muskulatur hart, um die Wirbelsäule stabil zu halten. Wenn du die untenstehenden Programme machst, bekommst du das Core-Training gratis dazu.

     


    Wähle deine Trainingsform


    Das Prinzip ist dasselbe, egal ob du im Fitnesscenter oder zu Hause trainierst: Wähle Übungen, die schwer genug sind, damit du innerhalb einer angemessenen Anzahl von Wiederholungen ermüdest. Im Fitnesscenter passt du den Schwierigkeitsgrad an, indem du das Gewicht änderst. Zu Hause passt du es an, indem du schwierigere Übungsvarianten wählst.

    Programm 1: Fitnesscenter (30-40 min)


    Führe das Programm 2 Mal pro Woche aus. Wähle ein Gewicht, bei dem du RIR 2-3 bei den angegebenen Wiederholungen erreichst. Das bedeutet, dass du, wenn du die angegebenen Wiederholungen gemacht hast, das Gefühl haben solltest, dass du noch genau 2-3 Wiederholungen im Tank hast.

     

    Übung Sätze Wiederholungen Pause
    Kniebeuge 3-4 4-6 3 min
    Rumänisches Kreuzheben 3 6-8 2-3 min
    Ausfallschritte oder Step-ups 2-3 6-8/Bein 2 min
    Wadenheben (stehend) 3 10-15 1,5 min


    So führst du die Übungen aus

    Kniebeuge: Stehe mit den Füßen schulterbreit auseinander. Senke die Hüfte ab und zurück, als würdest du dich auf einen Stuhl setzen. Halte die Brust aufrecht und die Knie in Linie mit den Zehen. Gehe so tief, wie es deine Beweglichkeit erlaubt – Tiefe ist wichtiger als Gewicht. Drücke dich zurück in die Ausgangsposition.


    Rumänisches Kreuzheben: Stehe mit den Füßen hüftbreit, Langhantel vor den Oberschenkeln. Schiebe die Hüfte nach hinten, während du das Gewicht entlang der Beine senkst. Halte den Rücken neutral und eine leichte Beugung in den Knien. Spüre den Zug in den Oberschenkelrückseiten. Schiebe die Hüfte nach vorne und richte dich auf.


    Ausfallschritte: Mache einen großen Schritt vorwärts oder rückwärts. Senke das hintere Knie zum Boden. Halte den Oberkörper aufrecht und das vordere Knie über dem Knöchel. Drücke dich zurück in die Ausgangsposition. Rückwärtsausfallschritte sind oft schonender für die Knie.


    Step-ups: Finde eine Kiste in geeigneter Höhe (Kniehöhe ist ein guter Ausgangspunkt). Stelle einen Fuß auf die Kiste. Drücke dich hoch, indem du nur das obere Bein benutzt – vermeide es, das hintere Bein zu benutzen. Senke kontrolliert ab.


    Wadenheben: Stehe auf der Kante einer Stufe mit den Fersen frei. Hebe dich auf die Zehenspitzen so hoch wie möglich. Senke langsam ab – gerne etwas unter den Horizont. Halte 2 Sekunden am unteren Punkt. Mache sie auf einem Bein für maximale Wirkung.


    Praktische Tipps

    • Beginne mit 1-2 leichten Aufwärmsätzen im Kniebeugen
    • Wähle ein Gewicht, bei dem die letzten Wiederholungen herausfordernd, aber technischsauber
    • Erhöhe das Gewicht um 2,5-5 kg, wenn du alle Sätze mit guter Technik schaffst
    • Möchtest du Zeit sparen? Mache rumänisches Kreuzheben und Wadenheben als Supersatz (abwechselnd ohne Pause dazwischen). Das kann die Trainingszeit halbieren, ohne die Ergebnisse zu beeinträchtigen.

     

    Programm 2: Heimtraining ohne Ausrüstung (20-30 min)

     

    Führe das Programm 2-3 Mal pro Woche aus. Wähle die Übungsversion, bei der du RIR 2-3 bei den angegebenen Wiederholungen erreichst. Falls die Übung zu leicht ist, nutze die Progression in der Tabelle.

     

    Übung Sätze Wdh Progression
    Split Squat 3-4 10-15
    /Bein
    Rucksack mit Gewicht
    Feet elevated hip thrust 3 10-15 Ein-Bein-Variante
    Single-Leg Glute Bridge 3 12-15
    /Bein
    Fuß erhöht
    Calf Raises auf Treppe 3 15-25
    /Bein
    Tempo verlangsamen

     

    So führst du die Übungen aus

    Split Squat: Stehe in einer langen Schrittposition mit dem hinteren Fuß auf einem Stuhl oder Sofa (bulgarische Squats) oder auf dem Boden. Senke das hintere Knie zum Boden, während du den Oberkörper aufrecht hältst. Drücke dich wieder hoch. Alle Wiederholungen auf einem Bein, dann wechsle.


    Feet elevated hip thrust: Sitze auf dem Boden mit dem oberen Rücken gegen ein Sofa oder Stuhl und den Füßen auf einer Erhöhung (Stuhl, Bank oder Stufe). Hebe die Hüfte an, sodass der Körper eine gerade Linie von Knie zu Schulter bildet. Spanne die Gesäßmuskeln oben an und halte kurz. Senke kontrolliert ab. Die Erhöhung unter den Füßen erhöht den Bewegungsumfang und macht die Übung schwieriger.


    Single-Leg Glute Bridge: Lege dich auf den Rücken mit einem Bein gebeugt und dem Fuß am Boden. Hebe das andere Bein. Drücke die Hüfte hoch, sodass der Körper eine gerade Linie von Knie zu Schulter bildet. Spanne das Gesäß oben an. Senke kontrolliert.


    Calf Raises auf Treppe: Stehe auf einer Stufe mit den Fersen frei. Hebe dich auf die Zehen so hoch wie möglich. Senke langsam ab (3 Sekunden) unter die Waagerechte. Mache sie auf einem Bein für maximalen Effekt.

     

    So machst du die Übungen schwieriger

    Wenn eine Übung zu leicht wird (du könntest 5+ mehr machen), ist es Zeit, sie schwieriger zu machen:

    • Tempo verlangsamen: 3-4 Sekunden beim Absenken erhöht die Belastung deutlich
    • Pause einlegen: 2-3 Sekunden am tiefsten Punkt der Bewegung
    • Gewicht hinzufügen: Ein Rucksack mit Büchern oder Wasserflaschen
    • Schwierigere Variante wählen: Siehe Progression in der Tabelle oben

     

     

    Dosierung: So integrierst du Krafttraining in dein Lauftraining


    Wie oft und wann?

    Du kannst starke Ergebnisse mit nur 2 Trainingseinheiten pro Woche erzielen. Hier sind die wichtigsten Richtlinien:

    • Am besten: Lege Krafttraining nach harten Laufeinheiten (Intervall, Tempo) – so sammelst du die Belastung und hast bessere Voraussetzungen für die Erholung in den folgenden Tagen

    • Zweitbeste: Krafttraining am Tag nach harten Laufeinheiten

    • Vermeiden: Schweres Krafttraining am Tag vor wichtigen Laufeinheiten

     

    Beispiel für Wochenstruktur

    Tag Lauf Kraft
    Montag Langsamer Lauf  
    Dienstag Intervalle Krafttraining
    Mittwoch Ruhetag  
    Donnerstag Langsamer Lauf  
    Freitag Tempolauf Krafttraining
    Samstag Ruhetag  
    Sonntag Langer Lauf  

     

     

    Allmählicher Aufbau: 3-Phasen-Progression


    Wenn du noch nie Krafttraining gemacht hast, baue allmählich auf, um Überlastung zu vermeiden:

     

    Phase Periode Fokus RIR
    Einarbeitung Woche 1-4 Techniken lernen,
    leichtes Gewicht
    5+ (nicht schwer)
    Aufbau Woche 5-8 Allmählich Schwierigkeit erhöhen 3-4
    Stärke Woche 9+ Volle Erschöpfung 2-3

     

    Erwarte messbare Verbesserungen in deinem Lauftraining nach 8-12 Wochen konstantem Krafttraining. Du wirst merken, dass die Übungen vorher leichter werden, aber die tatsächliche Übertragung auf das Laufen erfordert Geduld.

     

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      Anpassen an deine Laufsaison

       

      Dein Krafttraining sollte angepasst werden, je nachdem, in welcher Phase du dich zu deinem nächstenLauf:

       

      Phase Zeitraum Empfehlung
      Aufbau Weit vor Wettbewerb 2 x wöchentlich
      Fokus auf Fortschritt
      Wettkampfvorbereitung 4-8 Wochen vor Lauf 1-2 x wöchentlich
      Gleiches Gewicht, weniger Sätze
      Taper Letzte 1-2 Wochen Reduzieren oder stoppen
      Frische Beine priorisieren
      Nach Wettbewerb Woche nach Lauf Leichtes Training
      Allmählich wieder aufbauen

       

      Wichtig: In der Wettkampfvorbereitung reduzierst du das Volumen (Anzahl Sätze), nicht die Schwierigkeit. Halte RIR bei 2-3 – das erhält deine Kraft.


      Zusammenfassung: Die 5 wichtigsten Punkte

      1. Trainiere nahe an Erschöpfung: Wichtig ist nicht das Gewicht, sondern dass die letzten Wiederholungen sich schwer anfühlen (RIR 2-3)

      2. Zweimal pro Woche reicht: Mehr ist nicht unbedingt besser

      3. Priorisiere große Übungen: Kniebeugen, Kreuzheben und Ausfallschritte bringen am meisten für deine Zeit – und trainieren auch den Core

      4. Richtig platzieren: Krafttraining nach harten Läufen oder an leichten Tagen

      5. Allmählich aufbauen: Beginne mit leichteren Varianten, und gib es 8-12 Wochen bevor du Effekte auf dein Lauftraining erwartest


      Gutes Training!


      Artikel erstellt von LäuferLab. Erfahre mehr über ihre Arbeit auf www.loberlab.dk.

       

      Quellen

      1.    Llanos-Lagos C, et al. Effekt von Krafttrainingsprogrammen auf die Wirtschaftlichkeit von Mittel- und Langstreckenläufern bei verschiedenen Laufgeschwindigkeiten: Eine systematische Überprüfung mit Meta-Analyse. Sports Med. 2024.
      2.    Lauersen JB, et al. Die Wirksamkeit von Bewegungsinterventionen zur Prävention von Sportverletzungen: eine systematische Überprüfung und Meta-Analyse von randomisierten kontrollierten Studien. Br J Sports Med. 2014.
      3.    Blagrove RC, et al. Auswirkungen von Krafttraining auf die physiologischen Determinanten der Laufleistung bei Mittel- und Langstrecken: Eine systematische Überprüfung. Sports Med. 2018.
      4.    Eihara Y, et al. Schweres Widerstandstraining versus Plyometrisches Training zur Verbesserung der Laufwirtschaftlichkeit und Leistung im Laufzeitrennen: Eine systematische Überprüfung und Meta-Analyse. Sports Med Open. 2022.
      5.    Iversen VM, et al. Keine Zeit zum Heben? Gestaltung zeiteffizienter Trainingsprogramme für Kraft und Hypertrophie: Eine narrative Überprüfung. Sports Med. 2021.

       

       

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